N. Sri Ram, aus „Gedanken für Strebende"
Über Zen sind schon viele Bücher und Artikel geschrieben sowie Vorträge gehalten worden, so dass dieser Beitrag nur einer mehr in der langen Reihe von zum Teil ausgezeichneten Werken ist. Ziel des Artikels ist es, einen möglichst praktischen Zugang zu entwickeln. Dabei möchte ich betonen, dass ich weder einen Zen-Meister habe noch irgendeiner Schule oder Richtung des Zen angehöre. Mein Hintergrund ist einzig der, dass ich mich schon seit längerer Zeit mit der japanischen Kultur und ihrer Entwicklung sowie mit der Mentalität dieses Volkes beschäftige, wozu auch die verschiedenen religiösen und philosophischen Strömungen gehören.
Zen entstand oder entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg. Die Entwicklung begann im 6. Jahrhundert in Indien und geht auf Bodhidharma, den 28. Patriarchen des Buddhismus, zurück. Frei aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet der Name Bodhidharma folgendes: Bodhi ist gleichzusetzen mit dem Bodhibaum, unter dem Buddha die Erleuchtung fand, also Erleuchtung. Dharma kann man als Gesetz oder Weg übersetzen, ein universelles Prinzip, das alles in der Natur ordnet und regiert. Ein erkennbarer Ausdruck dieses Prinzips wäre z.B. das Fallgesetz in der Physik.
Von Indien aus nahm diese Geistesströmung, die man dort als Dhyana bezeichnete, ihren Weg nach China, wo sie unter dem Namen Chan bekannt wurde. Die Entwicklung erfolgte in der Tang-Zeit (618-906) und erreichte ihre Blütezeit in der Sung-Dynastie (960-1278). Während dieser Zeit erfuhr diese Lehre eine Veränderung durch den Einfluss des Taoismus.
Im 7. Jahrhundert kam Chan durch den Mönch Gozan nach Japan. Dieser war nach China gegangen, um die dortige Philosophie zu studieren. Erst im 12. und 13. Jahrhundert verbreitete sich die Lehre unter dem Namen Zen in Japan. Auch hier wurde die importierte Lehre mit Elementen des Shintoismus, der japanischen Naturreligion, ergänzt und verändert. Zen fand in Japan durch seine asketischen Prinzipien vor allem Anklang bei der Kriegerkaste, den Samurai.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Schulen mit verschiedenen Schwerpunkten, die jedoch auf den gleichen grundlegenden Elementen aufbauten.
Das Ziel von Zen ist es, Satori (Erleuchtung) zu erlangen. Dies kann auf verschiedene Art und Weise erreicht werden. Eine der vielen Möglichkeiten ist Zazen, das Sitzen und sich leer machen. In diesem Zustand, sagt man, kann durch die Leere erst das Wissen eindringen und sich ganz plötzlich, wie ein Vulkan, entfalten. In einer der vielen Anleitungen der japanischen Meister heißt es:
„Wenn Du Erleuchtung erlangen willst, übe Zazen. Wirf alle Bindungen von Dir, beruhige die tausend Dinge, denke nicht an Gut und Böse, urteile nicht über Richtig und Falsch, halte den Lauf des Bewusstseins an, beende die Tätigkeit des Wünschens, Phantasieren und Urteilens, sinne nicht darauf, ein Buddha zu werden!"
Nicht-Buddha-werden-zu-wollen ist auch das Thema vieler Anekdoten und Geschichten aus der Welt des Zen. Die folgende stammt aus China:
Der Meister Huai Yang fragt seinen Schüler Ma-tsu: „In welcher Absicht übst du Zazen?"
Dieser antwortete: „Um Buddha zu werden."
Wortlos nahm der Meister einen Ziegel auf und begann ihn auf einem Stein zu reiben. Der Schüler fragte ihn nach dem Sinn dieser seltsamen Beschäftigung, und der Meister erklärte ihm, er wolle dadurch den Ziegel polieren und einen Spiegel aus ihm machen.
„Wie kann man aus einem Ziegel einen Spiegel machen?", fragte der Schüler ungläubig.
Huai Yang erwiderte: „Wie kann durch Zazen jemand zum Buddha werden?"
Man sagt auch, dass, wenn man durch Zazen, einfaches Sitzen und Nicht-Denken, zum Buddha werden kann, schon jeder Frosch durch seine natürliche Haltung ein Buddha geworden wäre.
Eine andere Möglichkeit, Erleuchtung zu erlangen, ist, sich mit Koans zu beschäftigen, Denkaufgaben, die nicht schlüssig sind, die keine Logik in sich bergen. Der Sinn von Koans ist es, die linke Gehirnhälfte, in der der Prozess des analytischen, logischen Denkens stattfindet, lahm zu legen, auszuschalten, so dass die rechte Gehirnhälfte, in der z.B. nonverbale Wahrnehmungen verarbeitet werden, ungestört tätig werden kann. Die Koans erschüttern den logischen, analytischen Verstand in seinen Grundfesten, sie bedrängen ihn und führen in eine ausweglose Situation. Die Konfrontation mit nicht erfassbaren Szenerien bringt ihn an den Rand seiner Möglichkeiten und lässt ihn ausschalten, so dass die Erkenntnis ungefiltert und nicht zerteilt und aufbereitet in unser Bewusstsein gelangen kann. Diesen Vorgang, der hier beschrieben ist, könnte man auch als Intuition bezeichnen.
Ein weiteres Beispiel ist jenes Koan, das vom Weg handelt. Es wird in den östlichen Philosophien sehr oft über „den Weg" gesprochen, den man suchen, finden oder gehen soll. „Der Weg ist das Ziel", lautet auch ein Zen-Lehrsatz, der auch schon in der Werbung verwendet wurde. Es lässt sich nur schwer verstehen, was der Weg ist. Man könnte ihn ganz allgemein als unser Schicksal bezeichnen, das wir zwar leben, aber nicht genau kennen, wobei uns nicht ganz klar ist, warum wir hier sind, und was der Sinn unseres Daseins ist. Der Weg ist vielleicht die Summe unserer Erfahrungen, das, was wir daraus gelernt haben und auch das, was wir noch erfahren und lernen werden. In diesem Sinne ist er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Der Zen-Buddhist sagt auch, dass man dann weiß, was der Weg ist, wenn man ihn gefunden hat.
Dschau-dschou fragte seinen Lehrer Nan-tjüan: „Was ist der wahre Weg?" Nan-tjüan erwiderte: „Der alltägliche
Weg ist der wahre Weg."
Wiederum fragte Dschau-dschou: „Kann man den Weg erlernen?"
Nan-tjü sagte:"Je mehr du lernst, desto weiter kommst du vom Weg ab." Darauf fragte Dschau-dschou: "Wenn man dem Weg nicht durch Lernen näher kommen kann, wie kann man ihn erkennen?"
Nan-tjüan sprach: „Der Weg ist kein sichtbares Ding, er ist auch kein unsichtbares Ding. Er ist nichts Erkennbares und auch nichts Unerkennbares. Suche ihn nicht, lerne ihn nicht, nenne ihn nicht! Sei weit und offen wie der Himmel, und du bist auf dem Weg!"
Wenn ich versuche, dieses Koan analytisch und nicht intuitiv zu erfassen (was eigentlich schwieriger ist), so sehe ich in ihm als Kernaussage: „Sei weit und offen wie der Himmel." Dies beinhaltet eine gewaltige Größe, die des Himmels, die sich in einer unerreichten Toleranz äußern kann. Und da sind wir auch schon bei der Praxis. Auch wenn man durch dieses Koan nicht erleuchtet wird, kann es als Leitmotiv dienen. Diese Weite bezieht sich aber nicht nur auf die Toleranz anderen Menschen gegenüber, sondern erstreckt sich auf das ganze Leben. Es erlaubt uns, innerhalb der Normen des menschlichen Daseins, alles zuzulassen, alles zu akzeptieren. Die Situation, in die man hineingeboren wird, jene, die man sich selbst schafft, oder jene, in die uns andere hineinbringen, zu akzeptieren. Einfach zu sagen „so ist es", ohne in Selbstmitleid, Euphorie oder andere Gefühlsausbrüche zu verfallen. Mein Schicksal anzunehmen, wo ich lebe, welche Vorzüge und Unzulänglichkeiten meine Persönlichkeit auch hat. Dabei sich aber nicht vor dem verschließen, was uns sagt, an welchen Problemen wir selber schuld sind, wo wir uns selbst in das Problem hineinmanövriert haben. Weite schließt alles aus, was beengt. Weite macht frei, Weite macht groß. Damit kommen wir zu einer Grundeinstellung in unserer modernen Welt, dem Besitz und dem Bewahren von Besitz, das Hängen an Besitz jeglicher Art. Sei er materiell, sei es ein Posten, den wir bekleiden, eine Stellung die wir innehaben oder ein Mensch, an den wir uns fesseln. In jedem Fall schränkt uns Besitz ein. Warum? Wenn man jemanden liebt, dann möchte man ihn nicht besitzen, sondern mit ihm teilen, ihn teilhaben lassen. Dann eröffnet sich die „Weite des Himmels", wir erweitern unsere Welt und nehmen die Welt des anderen zu unserer hinzu und umgekehrt. Alles wird weiter, größer, freier.
Wenn man Vermögen besitzt und damit beschäftigt ist, es zu bewahren, zu vermehren oder vor Diebstahl zu schützen, dann schränkt es uns ein. Man ist nicht frei. Man kann auch nicht einfach seinen Wohnort verlegen oder eine Reise antreten. Im ersten Fall muss man dafür sorgen, dass der Besitz mitgenommen wird, im zweiten Fall dafür, dass er während der Abwesenheit nicht abhanden kommt. Während man abwesend ist, ist man vielleicht damit beschäftigt, sich Sorgen zu machen, ob er noch da ist.
Wenn man eine Stellung innehat und diese nicht verlieren will, dann klammert man sich daran, dann verkrampft man sich und handelt nicht mehr frei. Man wird dann nicht mehr die Dinge tun, die notwendig sind in dieser Position, sondern jene, die unseren Posten erhalten. Man wird freundlich zu Höhergestellten sein, mit der Absicht zu schmeicheln. Man wird seine eigene Leistung hervorheben und die der anderen herabsetzen. Mit einem Wort, man wird abhängig und eingeschränkt.
Ein weiterer Effekt des Nicht-Besitzen-Wollens ist, dass man seine Angst verliert - und eben das macht uns ungemein frei. Der Verfasser des weltberühmten Romans „Alexis Sorbas", Nikos Kazanzakis, hatte einen Leitspruch, der auch auf seinem Grabmal steht: „Ich fürchte nichts, ich begehre nichts, ich bin frei".
Welch großartiger Gedanke, welch erhabene Größe liegt darin! Frei zu sein ist eines der wichtigsten Ziele des Menschen. Oft wähnt sich der Mensch frei und merkt nicht die Ketten, die er sich selbst angelegt hat und die ihn an den Boden fesseln. Wahre Freiheit ist geistig. Auch der österreichische Psychologe Viktor E. Frankl sah die Freiheit, als er im KZ Auschwitz interniert war, in der Möglichkeit, seine Gedanken zu benutzen. Er hatte nichts, außer seiner Gedankenwelt, und dadurch, dass er sich in ihr bewegte, war er frei. Vielleicht meinen die Zen-Mönche jene Freiheit und die Erkenntnis, die sich daraus ergibt, wenn sie über die Erleuchtung sprechen.
„Nur der ist reich, der alles, was er besitzt, verlieren kann, ohne zu jammern", lautet eine Aussage der stoischen Philosophie. Die Stoiker suchen ebenfalls den Weg und bieten eine Möglichkeit an, ihn zu gehen. Nicht an den irdischen Dingen zu haften, Unveränderliches zu akzeptieren, Veränderbares auch tatkräftig zu ändern, sind einige ihrer Aussagen.
Die Offenheit selbst, die man im Zen-Buddhismus findet, könnte man schon fast als den Weg bezeichnen. Nichts wird ausgeschlossen, alles wird angenommen.
Nichts wird ausgeschlossen. Allein dadurch kann man schon, wenn man in einem kreativen Problemlösungsprozess steckt, ein viel größeres Reservoir an Möglichkeiten ausschöpfen. Der Ausspruch der modernen Kreativen besagt genau dies: „Wir wissen noch nicht, was wir suchen, aber wir wissen es, wenn wir es gefunden haben." -Offenheit.
In dem Moment, wo im Zen ein Dogma entstehen würde, wäre es kein Zen mehr. Im Zen gibt es weder Dogmen noch Gesetze noch Gurus, die verehrt werden, nur einen Meister, einen Lehrer. Der Weg liegt in der Selbstfindung, in der Selbstverantwortlichkeit. Die ungeheure Freiheit im Zen wird geleitet durch Verantwortlichkeit. Wieder möchte ich hier Viktor F. Frankl zitieren, der zur großen Freiheit des amerikanischen Volkes und der Möglichkeit eines ziellosen Ausnützens dieser Freiheit sagte: „Freiheit schlägt in Willkür um, wenn sie nicht im Sinne von Verantwortlichkeit gelebt wird. Und das ist auch der Grund, warum ich dafür zu plädieren pflege, dass zur Freiheitsstatue an der Ostküste das Pendant errichtet werde, nämlich eine Statue der Verantwortlichkeit an der Westküste".
Wir finden im Zen etwas Wesentliches, das unserer Gesellschaft enorme Impulse geben kann. Freiheit gepaart mit Verantwortlichkeit. Dies ist meiner Meinung nach auch der Weg des Zen. Nur der kann wirklich verantwortlich handeln, der auch frei ist. Diese Freiheit macht dem reifen Menschen auch seine Verantwortung innerhalb seiner Welt klar, da er einen Sinn für diese Freiheit sucht. Der unreife Mensch hingegen wird sich immer hemmungslos der Freiheit bedienen, ohne nach dem Warum und Woher zu fragen.
Die Verantwortlichkeit zeigt sich auch darin, dass der Meister dem Schüler niemals seine eigenen Erkenntnisse aufzwingt, sondern versucht, eine Erkenntnis im Schüler zu provozieren. Er wirkt als Katalysator, der im Geist des Schülers die gleichartige Erfahrung auslöst, ohne selbst etwas hinzuzufügen, eine Erfahrung, zu der der Schüler aus sich selbst kommt, die ihm der Meister nicht geben kann.
Eine Möglichkeit, die Wirkung und den Weg des Zen zu beschreiben ist die Parabel von den zehn Büffeln, welche die verschiedenen Stadien auf dem Weg der Selbstfindung, Freiheit und Verantwortlichkeit zeigt.
1 Die rastlose, ängstliche Suche nach dem verlorenen Büffel - aus der Verkennung der wahren Natur der Welt entstehen Begierde und Furcht.
2 Entdeckung der Büffelspuren - Beginn der Einsicht durch das Studium der Lehre, der Wahrheit auf der Spur.
3 Erblicken des Büffels - Einsicht in das Wesen der Dinge und des eigenen Selbst, die beide im Grunde nicht verschieden sind.
4 Einfangen des Büffels - Bändigen der Welt der Phänomene, der niederen Leidenschaften.
5 Hüten und Führen des Büffels am Strick - Festhalten der Wahrheit, des einmal Erkannten.
6 Heimritt des Flöte spielenden, singenden Hirten auf dem Rücken des Büffels - sichere Ruhe, freudige Einsicht, alles ergibt sich wie von selbst.
7 Der Büffel ist verschwunden - alleine bleibt der Mensch. Eine bewusste Einsicht ist nicht mehr notwendig, da der erstrebte Wesenszustand erreicht ist, die Wandlung des Seins ist vollbracht. Übergang in eine andere Welt.
8 Büffel und Mensch sind verschwunden - leerer Kreis. Aller Dualismus ist in der letzten Wahrheit aufgelöst, alles ist leer.
9 Die drei Reinen: Bambus, Pflaumenblüte, Fels. Rückkehr zum Ursprung, Einweihung.
10 Der Gang in die Stadt - unscheinbar, mit herabhängenden Armen, heiter, Welt überlegen. Weisheit wird nicht zur Schau gestellt. Geht unter das Volk, werdet Lehrer, Meister, Erlöser.
So gesehen ist es auch der Weg aus der Angst heraus. Nur so kann man sich die Furchtlosigkeit der japanischen Krieger, der Samurai erklären, die dem Tod offen ins Auge blickten und deren Sinnen und Trachten auf den Tod, auf die unabwendbare Finalität, gerichtet war: „Habe immer nur eines, den Tod, im Sinn."
Zu der vorhin erwähnten Akzeptanz unabänderlicher Situationen zählt letzten Endes auch der Tod. Unaufschiebbar, unerbittlich, unbestechlich ist er und vor allem ganz gewiss. Dieses letzte Mysterium wird wohl jeder selbst ergründen müssen. Die, die es bereits ergründeten, gehen „unerkannt in die Stadt" (siehe Punkt 10), sie machen kein Aufhebens, keine großen Gesten, sondern sind in sich groß. Sie besitzen Wissen, Erleuchtung. Diejenigen, die dieses Mysterium nicht kennen, können sich nur darauf vorbereiten, ihm zu begegnen. Vielleicht ist das ganze Leben im Wesentlichen nur eine Vorbereitung auf jenen Moment.
Wenn wir im Leben frei gewesen sind, dann werden wir es auch im Tod sein. Klammerten wir uns im Leben an Besitz und an das Leben selbst, so wird der Tod schmerzlich sein.
Im Zen findet man überall die Sehnsucht nach Schönheit und Harmonie. Zen äußert sich in der Malerei, in der Dichtkunst, in der Begegnung zweier Menschen und im Tod. Und überall ist Zen mit Schönheit verbunden. Mit Schönheit und gleichzeitig Unvollkommenheit. Perfektion ist nicht Teil der Schöpfung, denn wenn alles perfekt wäre, wäre auch die Schöpfung und somit der Mensch perfekt. Dem vollkommenen Leben steht aber der Tod im Weg. Der Tod des Samurai wird mit dem Abfallen einer Kirschblüte, mit Erblühen und Vergehen in einem, verglichen.
Ein berühmter Krieger, Miyamoto Musashi, sagte:
„Unter dem Schwert zitterst Du vor der Hölle, doch schreite voran, und Du wirst die Schönheit des Himmels kennen lernen."
Zen ist deshalb so umfassend, weil er den Sinn für Mystik, Schönheit und Philosophie beinhaltet. Er bedient sich nicht nur zu bestimmten Zeiten der Philosophie, sondern hat sie jeden Augenblick vergegenwärtigt, voll im Bewusstsein - und ist somit ständiges Bewusstsein:
„Habe immer nur eines, den Tod, im Sinn".
Wie erlangt man dieses ständige Bewusstsein? Wie macht man es, dass man mehr erkennt, mehr wahrnimmt, aufmerksamer und konzentrierter ist?
Ein Mönch fragte Meister Yau-schan: „Was denkt man, wenn man im Meditationssitz verharrt?"
Yau-schan antwortete:
„Man denkt das Nicht-Denken."
„Und wie denkt man das Nicht-Denken?" „Durch Über-Denken!"
Indem man dieses Koan interpretiert, erreicht man also den angestrebten Zustand. Indem man über das Bekannte hinausgeht, indem wir unsere bisher erkannten Wahrheiten zum Teil über Bord werfen und zu neuen kommen. Wir haben bisher in einer gewissen Art und Weise gelebt, gefühlt und gedacht. Wenn uns diese Lebensart zur Erkenntnis verholfen hat, umso besser. Hat sie uns aber nicht zur Erkenntnis geführt, dann sollten wir unser Leben ändern.
Da der Philosoph aber bestrebt ist, die Dinge in ihrem Wesen zu erkennen, wird er dem Grundsatz folgen, den der bekannte Psychologe Richard Bandler formulierte:
„Wenn du handelst, wie du immer gehandelt hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast. Willst du etwas anderes, dann tu etwas anderes!"
Autor: Arne Larssen
(aus: Zeitschrift von Neue Akropolis Nr. 69, 1997)